Basistarif

Was ist der Basistarif?

Private Krankenversicherungsunternehmen sind seit dem 1. Januar 2009 verpflichtet, den sogenannten Basistarif anzubieten. Die Vertragsleistungen sind in Art, Umfang und Höhe mit den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung vergleichbar. Der Basistarif sieht zudem – wie in der GKV – einen Kontrahierungszwang vor. Die privaten Krankenversicherungen dürfen niemanden zurückweisen, der sich in diesem Tarif versichern kann. Im Basistarif sind Risikozuschläge oder Leistungsausschlüsse nicht erlaubt. Für Beihilfeberechtigte wird ein beihilfekonformer Basistarif angeboten.

Die Verpflichtung der PKV-Unternehmen, einen Basistarif anzubieten, begründet sich durch die Versicherungspflicht. Denn jede Person mit Wohnsitz im Inland ist verpflichtet, bei einem in Deutschland zum Geschäftsbetrieb zugelassenen Versicherungsunternehmen für sich selbst und für die von ihr gesetzlich vertretenen Personen, soweit diese nicht selbst Verträge abschließen können, eine Krankheitskostenversicherung abzuschließen. Diese muss mindestens eine Kostenerstattung für ambulante und stationäre Heilbehandlung umfassen.

Wer kann den Basistarif wählen?

Personen ohne Krankenversicherungsschutz mit Wohnsitz in Deutschland, die nicht der Versicherungspflicht in der GKV unterliegen bzw. die ehemals PKV-versichert waren oder der PKV systematisch zuzuordnen sind, sind zur Versicherung im Basistarif eines Versicherungsunternehmens ihrer Wahl berechtigt.

Freiwillig GKV-Versicherte sind innerhalb von sechs Monaten nach Beginn der vorgesehenen Wechselmöglichkeit im Rahmen ihres freiwilligen Versicherungsverhältnisses berechtigt, in den Basistarif einer PKV zu wechseln.

PKV-Versicherte, mit einem vor 2009 geschlossenen Vertrag, können ab Vollendung des 55. Lebensjahres bei Bezug einer Rente bzw. Pension oder im Falle finanzieller Hilfebedürftigkeit im Sinne des Zweiten oder Zwölften Buchs Sozialgesetzbuch ( SGB II - Grundsicherung für Arbeitssuchende bzw. SGB XII - Sozialhilfe) eine Versicherung im Basistarif ihres Versicherungsunternehmens verlangen. PKV-Versicherte, deren Vertrag nach dem 31.12.2008 geschlossen wurde, können ohne weitere Voraussetzungen dauerhaft in diesen Tarif wechseln.

Inwiefern unterscheidet sich der Basistarif von anderen PKV-Tarifen und der GKV?
Die Leistungen im Basistarif unterscheiden sich in der Regel beträchtlich von den anderen PKV-Tarifen. Der Basistarif muss in etwa den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen beinhalten. Während die PKV-Versicherten dauerhaft ein vertraglich garantiertes Schutzpaket erhalten, muss der Basistarif immer den Vorgaben für die gesetzlichen Krankenkassen folgen. Werden dort Leistungen gekürzt, gilt das in Zukunft auch für den Basistarif.
Anders als in der GKV, ist die Höhe des Beitrages in der PKV nicht abhängig vom Einkommen, sondern vom Umfang der versicherten Leistungen und vom Eintrittsalter. Das gilt auch für den Basistarif. So genannte Vorerkrankungen bei Versicherungsbeginn spielen im Basistarif jedoch keine Rolle: Individuelle Risikozuschläge werden – anders als sonst in der PKV – nicht erhoben. Das Gesetz gibt als maximale Beitragshöhe den durchschnittlichen Höchstbeitrag der GKV vor (2017 rund 682,95 Euro/Monat). Der monatliche Höchstbeitrag im Basistarif ergibt sich durch folgende Rechnung:
allgemeiner Beitragssatz 14,6 %
x Beitragsbemessungsgrenze 2017   4.350,00 Euro
= allgemeiner Höchstbeitrag* 635,10 Euro
durchschnittlicher Zusatzbeitragssatze 2017 1,1 %
x Beitragsbemessungsgrenze 2017 4.350,00 Euro
= durchschnittlicher Höchstzusatzbeitrag 47,85 Euro
allgemeiner Höchstbeitrag* 635,10 Euro
+ durchschnittlicher Höchstzusatzbeitrag 47,85 Euro
= Höchstbeitrag Basistarif 2017 682,95 Euro
* kaufmännisch gerundet auf 2 Nachkommastellen

Mehr muss ein Versicherter im Basistarif nicht bezahlen – der Versicherte zahlt bis zu dem durchschnittlichen Höchstbeitrag der GKV, auch wenn sein Einkommen zum Beispiel als Rentner sinkt.
Im Basistarif wird für jede versicherte Person ein eigener Beitrag erhoben. Ein Ehepaar zahlt also stets zwei Beiträge (jeweils begrenzt auf den Höchstbeitrag). Auch für Kinder und Jugendliche sind gesonderte Beiträge zu zahlen. Der maximale Beitrag für Kinder und Jugendliche liegt bei rund 250 Euro.

Bei allen vom Gesetzgeber erzwungenen Parallelen zwischen GKV-Niveau und PKV-Basistarif gibt es erhebliche Unterschiede mit großen Auswirkungen auf die Beitragshöhe:
  • Anders als in der GKV müssen auch im Basistarif die PKV-typischen Alterungsrückstellungen gebildet werden.
  • Durch die politischen Vorgaben startet der Basistarif mit überdurchschnittlich alten und kranken Versicherten. Es kommt nicht zu der für das Versicherungsprinzip erforderlichen Risikomischung – anders als in der GKV mit ihren rund 70 Millionen Versicherten. 
  • Zudem erhält die PKV keinerlei Steuermittel, während die GKV regelmäßig Zuschüsse aus Steuergeldern erhält.
Wie berechnet sich die Prämie im Basistarif?
Der Höchstbeitrag eines Basistarifs ist abhängig vom Beitragssatz in der GKV, der jeweils geltenden Beitragsbemessungsgrenze und dem durchschnittlichen Zusatzbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung. Unter Berücksichtigung dieser Einflussfaktoren macht der Höchstbeitrag im Basistarif ab dem 1. Januar 2017 maximal 682,95 Euro im Monat aus. Der monatliche Höchstbeitrag im Basistarif ergibt sich durch folgende Rechnung:
allgemeiner Beitragssatz 2017 14,6 %
x Beitragsbemessungsgrenze 2017 4.350,00 Euro
= allgemeiner Höchstbeitrag* 635,10 Euro
durchschnittlicher Zusatzbeitragssatz 2017 1,1 %
x Beitragsbemessungsgrenze 2017 4.350,00 Euro
= durchschnittlicher Höchstzusatzbeitrag* 47,85 Euro
allgemeiner Höchstbeitrag 635,10 Euro
+ durchschnittlicher Höchstzusatzbeitrag 47,85 Euro
= Höchstbeitrag Basistarif 2017 682,95 Euro
* kaufmännisch gerundet auf 2 Nachkommastellen

Sofern die Versicherten hilfebedürftig sind oder durch die Bezahlung der Krankenversicherungsprämie eine Hilfebedürftigkeit ausgelöst wird, reduziert sich die Versicherungsprämie auf die Hälfte. Würde auch bei dieser halbierten Prämienzahlung Hilfebedürftigkeit ausgelöst, beteiligt sich der Träger der Grundsicherung beziehungsweise der Sozialhilfe am verminderten Beitrag. Der Begriff Hilfebedürftigkeit orientiert sich an den entsprechenden Regelungen des SGB II (Grundsicherung für Arbeitssuchende hier der § 9 SGB II).

Auch im Basistarif müssen die Versicherungsunternehmen den Versicherten die Möglichkeit von Selbstbehalten in Höhe von 300, 600, 900 oder 1.200 Euro anbieten. An einen gewählten Selbstbehalt ist die versicherte Person grundsätzlich 3 Jahre gebunden. Ein Wechsel ist mit einer Frist von 3 Monaten zum Ablauf der 3-Jahresfrist möglich. Die Versicherten können aber die Vereinbarung eines Selbstbehaltes rückgängig machen und die Umstellung in den Basistarif ohne Selbstbehalt verlangen, wenn der vereinbarte Selbstbehalt nicht zu einer angemessenen Reduzierung der Prämie führt. Die Umstellung muss dann innerhalb von 3 Monaten erfolgen.

Können Kinder in dem Basistarif versichert werden?

Ja, die Versicherungsunternehmen müssen zum Basistarif Varianten für Kinder und Jugendliche vorsehen (keine Alterungsrückstellungen bis zum 21. Lebensjahr).

 

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