Gute Noten für das duale System in Deutschland

Spannender Austausch internationaler GESUNDHEITSEXPERTEN: Die Podiumsdiskussion am Vormittag stärkte das Vertrauen in die PKV.

Ist das deutsche Gesundheitssystem ein Vorbild für andere? Diese Frage stand bei der internationalen und hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion am Vormittag im Mittelpunkt. Continentale Vorstandsvorsitzender Helmut Posch machte direkt in seinem Eingangsstatement deutlich, dass das duale System aus PKV und GKV gut funktioniere und eben nicht - wie gerne angeführt - zu einer Zwei-Klassen-Medizin führe, sondern diese ganz im Gegenteil verhindere. "Schließlich sorgt allein das Vorhandensein der PKV dafür, dass Leistungen in der GKV nicht unbegrenzt gekürzt werden können. Bei gravierenden Leistungskürzungen in der GKV käme es zu einer Massenabwanderung guter Risiken in die PKV.“ Die reine Existenz der PKV sichere also die Leistungen der GKVVersicherten, sorge für deutlich mehr Geld im System und ermögliche so eine bessere Ausstattung von Praxen und Kliniken - zum Wohle aller Patienten. "Natürlich hat das deutsche Gesundheitswesen auch seine Schwächen und Probleme, aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Sachargumente für die PKV gegen die eindeutig ideologisch getriebene Abschaffungsdebatte durchsetzen und das duale System ein Vorbild für andere sein kann", so Posch.

Video: Ausschnitt aus dem Eingangsstatement von Helmut Posch

Dieser Meinung folgten auch die anderen Teilnehmer in der sehr lebhaften Diskussion. So erläuterte der renommierte US-amerikanische Gesundheitsökonom Prof. Dr. Uwe E. Reinhardt, dass nach seiner Definition eine Zwei-Klassen-Medizin vorliege, wenn die Chance, eine schwere Krankheit zu überleben, vom Versicherungsstatus abhinge. "Das ist in Deutschland nicht der Fall", so seine klaren Worte.

Von der Innovationskraft des deutschen Gesundheitswesens zeigte sich Dr. Heinz Locher, Vorstandspräsident der Allianz Schweizer Krankenversicherer, besonders beeindruckt: "Die Frage ist doch nicht, wie hoch die Kosten sind. Die Frage ist doch, wie schnell kommen Innovationen beim Patienten an? Und hier gibt es in Deutschland genaue Terminvorgaben. Nach einem Jahr sind Neuerungen beim Patienten. Das erzeugt auch Druck auf die GKV." Dies sei dem dualen System und damit der PKV zu verdanken. Für ihn sei das deutsche Gesundheitssystem eine Quelle von Denkanstößen.

Wahre Kosten transparenter machen

Für mehr Kostentransparenz im Gesundheitssystem plädierte der mittlerweile in Belgien lebende niederländische Krankenversicherungsexperte Marcel J.G. Smeets. "In Belgien zahle ich 14 Euro im Monat in die öffentliche Versicherung ein. Das ist nichts, aber dafür bekomme ich auch nichts. Und ich bezahle 60 Prozent Steuern, also zahle ich doch." Denn auf diese Weise würden die wahren Kosten für das Gesundheitssystem versteckt.

Video: Beitrag zur 1. Podiumsdiskussion von Marcel J.G. Smeets

Ein weiteres Problem sei laut Dr. Rainer Hess die Effizienz bei verschiedenen Untersuchungen und Operationen: Hier forderte der ehemalige Vorsitzende des Gemeinsamen Bundesausschusses eine Qualitätssicherung. Der Direktor des PKV-Verbandes, Dr. Volker Leienbach, sieht es als Vorteil, dass Deutschland zwar zwei Versicherungssysteme, aber nur ein Versorgungssystem hat. "Im Ausland gibt es häufig ein Absicherungssystem, aber mehrere Versorgungssysteme. In Einheitssystemen ist die Gefahr am größten, dass sich viele Unterschiede herausbilden." Dennoch müsse sich die PKV der Angst der Bevölkerung vor einer Zwei Klassen-Medizin stellen und hier noch an ihrem Image arbeiten. "Unser System ist nicht perfekt, aber wir sind auf dem richtigen Weg."

Video: Beitrag zur 1. Podiumsdiskussion von Dr. Volker Leienbach

Selbstbewusst für Dualität werben

Für eine offensivere Imagearbeit der PKV plädierte auch Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg: "Wir haben ein gutes System, aber wir haben es bislang nicht als ein gerechtes System verkauft." So müsse die PKV beispielsweise ihre Generationengerechtigkeit noch stärker herausstellen.

Diese Forderung nahm der Continentale-Vorstandsvorsitzende gerne auf. Natürlich habe das deutsche Gesundheitssystem Schwächen, so Posch. "Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es die Dualität von GKV und PKV braucht, um die hohe Leistungsfähigkeit zu erhalten. Dafür zu werben, mit Überzeugung und guten Argumenten, ist Aufgabe für uns alle hier im Saal. Lasst uns mit Selbstbewusstsein für die PKV und damit für den Fortbestand des Dualen Systems eintreten."

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