Samuel Koch: Superhelden als Pfleger

Gerade zurück aus den Flitterwochen war Schauspieler und Autor Samuel Koch Gast beim 16. PKV-Forum. Im Interview mit Moderator Michael Opoczynski gab er Einblicke in sein Leben als schwer Pflegebedürftiger und überraschte das Publikum mit Optimismus, Lebensmut und ausgesprochen trockenem Humor.

Knapp sechs Jahre ist es her, dass Samuel Koch in der Fernsehshow „Wetten, dass?“ schwer verunglückte. Seither ist der 29-Jährige halsabwärts gelähmt. Nach einigen Monaten im Schweizer Paraplegiker-Zentrum, in dem es zunächst schlicht galt, ihn am Leben zu halten, folgte eine 12-wöchige Reha. „Ich konnte damals nicht mal selbständig atmen“, berichtet Koch über die erste schwere Zeit nach dem Unfall. Und trotzdem, „als ich hörte, mir stünde eine harte Reha bevor, habe ich mich fast gefreut. Ich war 17 Jahre Kunstturner und habe bis zu zwölfmal die Woche trainiert. Die körperliche Anstrengung hat mich nicht geschreckt“, so Koch. Sehr viel härter sei die psychische Komponente gewesen. „Es war sehr mühsam, sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen. Schließlich war alles in meinem Leben auf Bewegung ausgerichtet.“

Zurück im Leben

Trotzdem hat er nie die Zuversicht verloren und sich zurück ins Leben gekämpft. Der einstige Leistungssportler hat sein Studium an der Schauspielschule beendet und ist seit 2014 festes Ensemblemitglied am Staatstheater Darmstadt. Er hat zwei Bücher geschrieben und auch privat sein Glück gefunden. Erst Ende August hat Koch die Schauspielerin Sarah Elena Timpe geheiratet.

„Verlange meinen Pflegern viel ab"

Und wie meistert er den Alltag? „Ich brauche 24 Stunden am Tag jemanden an meiner Seite. Jemanden, der meine Arme und Beine ersetzt und mich am Leben hält“, so Koch. Doch dieser Jemand ist gar nicht so leicht zu finden. „Es ist schwer, gutes Pflegepersonal zu finden“, so Koch. Unter Leitung seiner Mutter hat er mehrere Pfleger beschäftigt und jeder von ihnen muss quasi ein „Superheld“ sein. „Jeder Patient ist schwierig und auch ich verlange meinen Pflegern viel ab. Sie müssen mich nicht nur anziehen, waschen und füttern, sie sind auch meine Fahrer, Stylisten und Assistenten am Theater“, berichtet Koch weiter. „Pflege ist eben nicht nur ein technisch, medizinischer Beruf, er geht weit darüber hinaus. Es muss auch zwischenmenschlich funktionieren. Das ist sehr wichtig.“ Übrigens: Unter seinen Pflegern sind ein Schreiner und ein Filmemacher – und nur eine gelernte Krankenschwester.