13. Continentale PKV-Forum im Zeichen von Politik und Vertrieb

Das 13. Continentale PKV-Forum am 17. September 2013 traf ins Schwarze: Rund 1.000 Vermittler und Branchenvertreter ließen sich informieren. Kurz vor der Bundestagswahl spannend: das Vormittagsthema „Wie entsteht Politik?“. Relevant fürs Kerngeschäft war der Ausblick auf die zweite EU-Vermittlerrichtlinie und die Zukunft des Vertriebes am Nachmittag.

Wer angesichts des Themas "Wie entsteht Politik?" am Vormittag des 13. Continentale PKV-Forums eine Wahlkampfveranstaltung erwartet hat, wurde enttäuscht. Denn obwohl das PKV-Forum eines der hochrangigsten Branchentreffen mit stets rund 1.000 Teilnehmern ist, stellten sich kurz vor der Bundestagswahl (22.09.2013) nur zwei Politiker den Fragen: Jens Spahn als Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion und der damalige FDP-Generalsekretär Patrik Döring. Vertreter der SPD, Grünen und Linken hatten ihre Einladungen ausgeschlagen. "Es ist bezeichnend, dass gerade die, die die Bürgerversicherung wollen, nie bereit sind, dies auch in solchen Runden zu vertreten", merkte Moderator Helmut Laschet an. Der stellvertretende Chefredakteur der "Ärzte Zeitung" sprach aus Erfahrung: "Ich habe schon viele Diskussionen dieser Art geleitet und nie wollten Vertreter vom SPD, Grünen oder Linken teilnehmen."

Dem angetregten Austausch auf dem Podium tat dies keinen Abbruch. Nicht zuletzt, weil die Teilnehmer vom Eröffnungsredner bestens mit "Zündstoff" versorgt wurden: Medienwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Fasel nahm in seinem mitreißenden Vortrag den Punkt, wie Politik in einer Demoktratie entstehen sollte - und wie sie tatsächlich entsteht - schonunslos unter die Lupe.

Sachorientierte Politik? Fehlanzeige.

Denn, so seine durchaus nüchterne These: "Einen pragmatischen, sachorientierten Meinungsbildungsprozess, der sich auf Basis sorgsamer Interssenabwägung letztlich in gut gemachten Gesetzen niederschlägt, gibt es heute praktisch nicht mehr." Stattdessen herrschten Formen der Gefälligkeitspolitik, schnödes Durchpauken ideologischer Haltungen oder reiner Populismus vor.

Thesen, die auf hohem Niveau vom Continentale-Vorstandsvorsitzenden Helmut Posch, dem Kommunikationswissenschaftler Prof. Dr. Hans Mathias Kepplinger, Prof. Dr. Norbert Klusen (ehemaliger Chef der Techniker Krankenkasse) und dem Pressesprecher des PKV-Verbandes, Stefan Reker, mit den beiden Politikern diskutiert wurden. Ein Fazit war schnell klar: Die Medien folgten zunehmend unkritischen ideologischen oder populistischen Strömungen. Damit würden sie ihrer Aufgabe im Meinungsbildungsprozess der Bürger und Politiker immer weniger gerecht.

Die PKV zur Marke formen

Nichtsdestotrotz - oder gerade deswegen - betonte Helmut Posch, wie wichtig es für die PKV als Ganzes sei, sich stärker als "Marke" zu präsentieren. Sie müsse transparent und verständlich die eigenen Stärken, aber auch die Grenzen des Leistbaren im dualen Gesundheitssystem herausstellen. Er nahm dabei Bezug auf Ausführungen von Prof. Klusen, der erläutert hatte, wie es ihm gelungen war, die Techniker Krankenkasse zu einer der Top-Marken in der GKV-Landschaft zu formen. Ein Aspekt, den die PKV dabei mehr herausstellen müsse, sei, so Posch, unbedingte Ehrlichkeit dem Kunden gegenüber und eine klare Haltung in den Vertriebsausrichtungen: "Wir dürfen als Branche nicht mehr jene Vertriebe bedienen, die nachweislich den Kunden schlecht beraten." Wie sehr er damit den Nerv der Anwesenden traf, bewies der Applaus aus dem vollen Saal.

Dass die Vermittler eine starke Interssenvertretung brauchen, um angesichts der Herausforderungen der Zukunft auch der Politik gegenüber gut vertreten zu sein, war ein Ergebnis des Nachmittags. Dies machte schon der Fachjurist Herbert Krauss - ein intimer Kenner der EU-Versicherungspolitik - in seiner ausführlichen Darstellung der zweiten EU-Vermittlerrichtlinie deutlich. Auf dem Podium herrschte anschließend Einigkeit zu Fragen wie Provisionsoffenlegung, Qualifizierung oder neuer Vergütungsmodelle. Zu den Diskutanten gehörten Continentale-Vorstandsmitglied Dr. Christoph Helmich sowie BVK-Präsident Michael H. Heinz, der Geschäftsführer des Maklerpools FondsFinanz, Markus Kiener, der Unternehmensberater Christian Mylius und Dr. Mark Surminski (Chefredakteur Zeitschrift für Versicherungswesen). Schnell wurde klar: Vermittler müssen sich jetzt Gedanken machen, wie sie Qualifizierungsanforderungen und vermehrter Kontrolle nachkommen können - denn sie werden noch stärker in den Blick des Verbraucherschutzes rücken.

 

Nicht zu viele Eingriffe des Staates

 

Zuspruch des Podiums und Applaus der Gäste erntete die Haltung von Dr. Helmich: "Die Regulierung von Vermittlerprovisionen ist nicht Aufgabe des Gesetzgebers. Wir müssen gemeinsam aufpassen, dass es nicht zu viele ordnungspolitische Eingriffe des Staates gibt.

Unter dem Motto „Wie entsteht Politik“ eröffnete Medienwissenschaftler Prof. Dr. Christoph Fasel. Er erläuterte mitreißend die große Kluft von Anspruch und Realität. Erkenntnisse, die direkt mit zwei „Machern“ diskutiert wurden: Jens Spahn, Gesundheitspolitischer Sprecher der CDU, und FDP-Generalsekretär Patrick Döring verzichteten auf Wahlkampfparolen und stellten sich offen den Fragen.