Schluss mit billig - hin zu besser

Weg von Billigtarifen, Klarheit für Verbraucher und sinnvolle Produkte an der Trennlinie zwischen GKV und PKV: Mögliche Produktinnovationen waren Thema am Nachmittag.

Die Zukunft der PKV liegt nicht in billig - sondern in Leistungsstärke, Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Zu diesem Schluss kam Continentale-Vorstandsmitglied Dr. Christoph Helmich zu Beginn der Nachmittagsveranstaltung.

Mit einem Einleitungsstatement eröffnete er die zweite Podiumsdiskussion, die sich mit dem Blick nach vorn beschäftigte: "Künftige Produktinnovationen im PKV-Bereich - Marktentwicklungen der Zukunft" lautete das Thema, in das Dr. Helmich selbstkritisch einführte. Denn die PKV habe in der Vergangenheit einen Fehler begangen, der sich jetzt sehr nachteilig auswirke. "Wir haben den Menschen immer gesagt, sie könnten Geld sparen, wenn sie sich privat versichern. Dass wir nebenbei auch noch lebenslang garantierte Höchstleistungen bieten können, war uns häufig nicht so wichtig." Im Ergebnis habe sich die PKV damit ein Problem selbst eingebrockt: das der Billigtarife. "Früher waren wir billiger und besser. Heute sind wir billiger oder besser - aber nicht beides", so seine Haltung, die im Podium ungeteilte Zustimmung erhielt.

Leistung muss erklärt werden

"Wir alle wissen: Wer billig kauft, kauft zweimal, das müssen Sie als Vermittler den Kunden deutlich machen. Deshalb muss der Kunde die Tarife verstehen und erkennen, was sie bieten. Tut er das nicht, vergleicht er nach dem, was er versteht, nämlich dem Preis", betonte Horst-Richard Jeckel, Professor an der Berufsakademie Mannheim und Experte für Dienstleistungsmarketing. Sein Appell an die Vermittler: "Als Verkäufer sollten Sie nicht über Produkte, sondern über Dienstleistungen sprechen. Und Sie müssen immer die Erwartungen der Kunden ermitteln."

Auch die anderen Podiumsteilnehmer sahen den Vermittler als zentralen Dreh- und Angelpunkt in Sachen Kundenberatung - was allerdings Lilo Blunck, Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten, auch kritisch aufnahm. Sie forderte mehr Transparenz in den Bedingungen und vor allem im Produktinformationsblatt, um dem Kunden die Gelegenheit zu geben, sich über den Rat des Vermittlers hinaus selbst ein Bild zu machen.

Lob für den Economy

Hier sahen sich Dr. Martin Zsohar von der Ratingagentur Morgen&Morgen sowie Michael Franke von der Ratingagentur Franke und Bornberg gefragt. Beide verwahrten sich auch gegen die Vorwürfe der Verbraucherschützerin Blunck, Ratingagenturen würden unnütze Bedingungserweiterungen in den Tarifen forcieren und den Verkauf rein über den Preis unnötig vorantreiben. "Wir bewerten die Tarife nach ihrem Nutzen, das gilt auch für Billigtarife. Und die werden nicht von den Ratingagenturen forciert, sondern vom Vertrieb gewünscht", so Franke, der meinte, dass gerade Ratings Instrumente zur Übersetzung komplizierter Tarife und Bedingungen seien. Dr. Martin Zsohar hingegen verwies auf einen Aspekt, den Dr. Helmich schon in seiner Rede ausgeführt hatte: "Wir brauchen in den Tarifen der Zukunft mehr Anreize für wirtschaftliches Verhalten. Hier kann der Economy Zeichen setzen."

"Nein" zu Tarifen nach Art der Schaden

Wie jedoch weitere Weichen in der Produktentwicklung gestellt werden sollten, erwies sich in der weiteren Diskussion als schwieriges Thema. Herbert Fromme, Versicherungskorrespondent der Financial Times Deutschland, brachte einen Vorschlag ein, der heftig diskutiert wurde: "Die Zukunft in der Zusatzversicherung gehört den Tarifen nach Art der Schaden, ohne Alterungsrückstellung. Das zeigen die Erfahrungen aus dem Ausland." Auch Dieter Knörrer von der bbg Betriebsberatungs GmbH und Herausgeber der Fachzeitschrift AssCompact Deutschland konnte dem einiges abgewinnen: "Solche KV-Tarife sind sehr interessant für Arbeitgeber, weil sie nach amerikanischem Vorbild als zusätzliches Personalrecruitinginstrument eingesetzt werden können."

Allerdings schauderte nicht nur Lilo Blunck angesichts der Aussicht, im deutschen Gesundheitswesen amerikanische Maßstäbe anzulegen. Auch Dr. Helmich verwahrte sich entschieden gegen diese Idee. "Was sollen wir mit Tarifen, die sich der Versicherte dann nicht mehr leisten kann, wenn er sie braucht - nämlich im Alter? Hier wird die Continentale ganz eindeutig Flagge zeigen für Produkte mit Alterungsrückstellung."

Zwei Felder für Innovationen

Das Continentale-Vorstandsmitglied umriss stattdessen zwei andere Felder, die großes Innovationspotenzial bergen: Assistanceleistungen und passgenau auf die GKV zugeschnittene Produkte, die den gesetzlichen Schutz sinnvoll und langfristig ergänzen. "Schon allein aufgrund des demografischen Wandels wird es in Zukunft auch in der Krankenversicherung wichtiger werden, Assistanceleistungen anzubieten, weil familiäre Unterstützung im Krankheitsfall weniger greifen wird." Noch viel wichtiger für Produktinnovationen sei jedoch der politische Wille bei der Gestaltung der Trennlinie zwischen GKV und PKV. Dr. Helmich: "Hier sehr ich große Chancen für den Kunden, denn wir werden an dieser Trennlinie sinnvoll zusammenwachsen. Hier wird es echte Produkt- und Prozessinnovationen geben, die neue Maßstäbe setzen werden."

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