Schwarzsehen gilt nicht

„Harte Zeiten für Vermittler durch gesetzliche Einschnitte": Über die Herausforderungen und Chancen für den Vertrieb wurde am Vormittag diskutiert.

Ob sie nun „ein Fluch für die Verbraucher" oder „eine Diskriminierung des Berufsstandes der Vermittler" sein mögen - Fakt ist: In einem bislang einmaligen Ausmaß werden derzeit Vermittler und Versicherer von einer Flut von gesetzlichen Neuregelungen überschwemmt. Und die Teilnehmer der ersten Diskussionsrunde des Continentale PKV-Forums unter der Überschrift „Gesundheitsreform, AGG, VVG ... Harte Zeiten für Vermittler?" fanden dafür zum Vergnügen der Zuhörer deutliche Worte.

Doch auch wenn die Neuregelungen unbestreitbar einen enormen Aufwand für alle Beteiligten darstellen - „Schwarzsehen gilt nicht". Das betonte Continentale-Vorstandsmitglied Heinz Jürgen Scholz in seinem Eröffnungsstatement nachdrücklich. Denn: „Die neuen Gesetze bieten auch Chancen." Und die liegen, so das Vorstandsmitglied, vor allem in der konsequenten Orientierung an Qualität. Nur so könnten sich Vermittler und Versicherer gleichermaßen vom Wettbewerb abheben.

Mit diesem Appell stiegen die Podiumsteilnehmer Manfred Poweleit und Dr. Marc Surminski, beides namhafte Versicherungsjournalisten, Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jürgen Wasem, Heinz Jürgen Scholz und Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute, in eine lebhafte Auseinandersetzung über Sinn und Unsinn der einzelnen Gesetzesvorhaben ein.

„Fluch für die Verbraucher"

Vor allem Manfred Poweleit sorgte mit seinen plakativen Statements immer wieder für Beifall des Publikums, aber auch für Widerspruch auf dem Podium. So bezeichnete er die VVG-Reform als „Fluch für den Verbraucher". Denn: „Mit der Abschaffung des Policenmodells bekommt der Verbraucher das, was er heute schon nicht liest und nicht versteht, einfach nur früher." Eine Absage an die VVG-Reform, die Prof. Wasem nicht im Raum stehen lassen konnte. So gab er zwar zu, dass die Frage nach Kosten und Nutzen berechtigt sei, aber an der Notwendigkeit einer erhöhten Transparenz für den Verbraucher könne letztlich nicht ernsthaft gezweifelt werden. Darüber hinaus unterstrich er die Einschätzung von Heinz Jürgen Scholz: „In den kommenden Jahren wird sich eindeutig die Spreu vom Weizen trennen. Dadurch wird sich aber zum Wohle des Verbrauchers die durchschnittliche Beratungsqualtität steigern."

Berufsstand „Vermittler" diskriminiert

Dr. Marc Surminski gab zu bedenken, dass gerade diese Regelungen teilweise von der Branche selbst forciert worden seien, da sie sich zu lange der Forderung nach mehr Transparenz im Sinne des Verbraucherschutzes versagt habe.

Sichtlich schwer fiel es Michael H. Heinz, der Regelungsflut des Gesetzgebers auch Gutes abzuringen. Er traf den Nerv des Publikums, als er anprangerte: „Wir Vermittler werden als Berufsstand diskriminiert." Darüber hinaus sei es heute mehr denn je an der Zeit, sich weniger als Verkäufer, sondern vielmehr als Risikomanager zu definieren, der den Kunden ein Leben lang begleitet. „Doch das ist heute schon angesichts der Produktionsforderungen vieler Versicherer sehr schwer und wird durch die zeitaufwendigen bürokratischen Anforderungen der neuen Gesetze zukünftig schier unmöglich." Letztlich sah aber auch er Positives in so manchem Detail. So könnte die Offenlegung der Abschlusskosten, so unsinnig sie auch sei, letztlich auch Gutes in sich bergen: „Wenigstens würden dann auch die hohen Kosten der Bank- und Strukturvertriebe für den Kunden sichtbar."

Qualität setzt sich durch

Nach einer hitzigen Stunde waren sich alle Teilnehmer darin einig, dass sie der Eröffnung von Heinz Jürgen Scholz in der Konsequenz folgen können: Klagen nutzt nichts, denn der Bedarf des Kunden wird sich auch durch manch gesetzliche Unsinnigkeit nicht ändern - diese Einschätzung teilten alle Redner. Somit bestehe die große Chance für den Vertrieb im konsequenten Kompetenzausbau nach dem Motto: „Qualität setzt sich durch."

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