Stolz - statt Sack und Asche

Heiße Themen, klare Aussagen und eine schlagfertige, hochkarätig besetzte Runde – die Podiumsdiskussion am Vormittag fesselte die Zuhörer. Zentraler Punkt dabei: Die Vorurteile gegen die PKV, die Rolf Bauer zuvor dargelegt hatte.

Ob es die Gebührenordnung für Ärzte war, die Frage nach Sinn oder Unsinn einer Positivliste für Medikamente oder das Thema "Ausgründung von Privatkliniken": Die Teilnehmer der ersten Podiumsdiskussion unter der Überschrift "PKV im Spiegel der Medien und Politik" machten einen Parforceritt durch viele Themen – dank der hochkarätigen und schlagfertigen Teilnehmer war es trotzdem nicht eine Minute anstrengend. Besonders spannend war jedoch der zentrale Punkt, mit dem sich die Runde differenziert auseinandersetzte: das aktuelle Bild der PKV.

Problem: Hohe Beiträge für Ältere

Continentale-Vorstandsvorsitzender Rolf Bauer hatte sich in seiner Einführungsrede bereits kritisch und offen mit den vielen Vorurteilen auseinandergesetzt, die der Branche aktuell entgegengebracht werden. Sein Fazit: Viele Negativeinschätzungen sind zu widerlegen, aber es gibt auch Probleme - und von denen seien einige hausgemacht.

Ein Faden, den der Verbraucherschützer Thorsten Rudnik nur zu gerne aufnahm. Er hob auf die Beitragssteigerungen im Alter ab. Sein Vorwurf: "Die PKV bietet letztlich keine lebenslange Leistung, weil ältere Versicherte die Beiträge nicht mehr bezahlen können und in schwächere Tarife wechseln müssen." Das wollte Rolf Bauer so nicht stehen lassen – denn es läge im Wesen der Verbraucherschützer, nur die Fälle zu sehen, die bei ihnen aufschlügen. Die PKV sei gerade bei älteren Versicherten nicht schlechter als die GKV. Die deutliche Beitragssteigerung des vergangenen Jahres sei vielmehr einem Sondereffekt zuzuschreiben: "Die Branche hat zugunsten einer besseren Wettbewerbsfähigkeit im Wechselfenster viele notwendige Beitragsanpassungen verschoben."

Ein Aspekt, auf den der Versicherungsfachjournalist Dr. Marc Surminski zum Vergnügen der Zuhörer fast schon resigniert reagierte: "Die Branche schafft es immer wieder, sich selbst ins Knie zu schießen. Das Desaster ist selbstgemacht." Angesichts seiner Einschätzung, dass die PKV zum Teil nicht sauber arbeite, sei es ein hartes Geschäft geworden, sie zu verteidigen. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr wollte die Beitragsbelastung der älteren PKV-Kunden nicht so schnell vom Tisch nehmen: "Ich muss Herrn Bauer deutlich widersprechen. Es ist ein Problem, dass viele ältere PKV-Versicherte sagen, sie könnten ihre Beiträge nicht mehr bezahlen." Dieses Argument habe er zu oft gehört, als dass er es ignorieren könne. "Was tut die Branche gegen diese Beitragssteigerungen? Hier muss sie dringend ihre Hausaufgaben machen", forderte Bahr. Zwar unterstrich der Minister, dass er von der Notwendigkeit des dualen Systems mit PKV und GKV überzeugt und dies auch auf dem politischen Parkett zu verteidigen bereit sei. Aber er machte auch unmissverständlich klar: "Dieses Problem muss die PKV lösen, sonst verliert sie ihre gesellschaftliche Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit."

"PKV ist nicht unsolidarisch"

Dr. Frank Ulrich Montgomery, der als Präsident der Bundesärztekammer bereits deutlich gemacht hatte, wie sehr die Ärzte die PKV bei allen kleineren Differenzen zu schätzen wissen, sprang hier in die Bresche: "Die PKV gilt als unsolidarisch, ist es aber nicht. Sie hat nur ein Imageproblem." Sein Vorschlag: "Vermarkten Sie die Alterungsrückstellungen besser, darüber wissen die Menschen zu wenig." Das kam bei den Vermittlern zwar sehr gut an, Rolf Bauer konnte dem aber nicht zustimmen. Denn: "Die Alterungsrückstellungen werden immer falsch verstanden. Sie deckeln nur die Alterung, nicht aber die Kostensteigerung durch medizinischen Fortschritt."

Hier war der Gesundheitsökonom Dr. J.-Matthias Graf von der Schulenburg jedoch anderer Meinung: "Die Tatsache, dass die PKV Alterungsrückstellungen bildet, ist ein sehr positiver Aspekt, selbst wenn sie die Kostensteigerung nicht auffangen." Denn eines sei klar, so von der Schulenburg: "Die Leistungen der PKV sind besser und es ist mehr Geld da. Was deutlicher gemacht werden muss, ist, dass dieses Geld auch für die Patienten ausgegeben wird."

Vor diesem Hintergrund brachte es Wolfgang van den Bergh, Chefredakteur der Ärzte Zeitung, gut auf den Punkt: "Die PKV braucht gute PR-Berater. Man fragt sich schon ernsthaft, warum sie so in Sack und Asche geht, statt stolz zu sein."Auch Daniel Bahr konnte sich eine Frage nicht verkneifen, als er wiederholt gefragt wurde, wie der Gesetzgeber denn mit den angesprochenen Punkten umgehen wolle: "Ich wundere mich immer wieder, was ich als Minister so tun soll. Die PKV-Unternehmen wollen doch private Unternehmen bleiben, oder?"

Dem konnte Rolf Bauer nur zustimmen und schloss die Runde mit einem nachdrücklichen Wunsch an die Politik: "Ganz schlicht: Lassen sie uns endlich mal in Ruhe."

Zum Nachlesen:

Die Eröffnungsrede von Hr. Rolf Bauer stellen wir Ihnen als PDF-Dokument zur Verfügung.

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