Unisex verändert die Branche

Nicht alles schwarzsehen: Die Einführung der Unisex-Tarife birgt für Versicherer und Vermittler auch CHANCEN, so das Ergebnis der Podiumsdiskussion am Nachmittag.

Auch wenn der Maya-Kalender anderes sagt: "Am 21. Dezember 2012 geht die Welt nicht unter - trotz Unisex." Das machte Vorstandsmitglied Dr. Helmich in seinem Eingangsstatement deutlich, mit dem er in die Podiumsdiskussion am Nachmittag zum Thema "Die Welt der PKV vor und nach Unisex - Herausforderungen für Vermittler" einführte.

Video: Ausschnitt aus dem Eingangsstatement von Dr. Christoph Helmich 

Unabhängig davon, wie unsinnig Unisex und wie unklar selbst heute noch vieles sei: Man müsse mit den neuen Regelungen leben und die Chancen sehen. "Die Branche wird sich nach Unisex verändern", so Dr. Helmich weiter. Die Krankenversicherer hätten einerseits die Möglichkeit, Versicherungsbedingungen zu modernisieren, neue Tarife zu entwickeln oder alte in der Unisex-Welt nicht mehr anzubieten. Denn es gebe keinen Zwang, die alte Tarifwelt eins zu eins umzustellen. "Andererseits wird es aber auch bei den Unternehmen Gewinner und Verlierer geben", so seine Prognose. Es sei nicht abzuschätzen, wie sich der künftige Geschlechtermix in den jeweiligen Tarifen letztendlich auf die Beitragsgestaltung einzelner Unternehmen auswirke. Unter dem Applaus der Vermittler forderte Dr. Helmich die Branche auf, bei der Kalkulation vorsichtig zu sein und sich nicht durch zu niedrig angesetzte Beiträge kurzfristige Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. Gleichzeitig betonte das Continentale-Vorstandsmitglied aber auch, dass Unisex sicherlich eine große Herausforderung für Vermittler sei.

Dieser Meinung war auch Manfred Bauer, Vorstandsmitglied der MLP AG. Er halte es für falsch, jetzt eine Schlussverkaufsstimmung zu erzeugen. Aber: "Es wäre schlichtweg eine Verschwendung, nicht über diesen Stichtag zu reden. Ich sehe es als eine Pflicht in der Beratung, sachlich über das Thema zu informieren", so Bauer. Denn die Frage sei doch nach wie vor, ob der Kunde überhaupt einen Bedarf habe, sich jetzt abzusichern. "Wir müssen den Kunden und seinen Bedarf in den Mittelpunkt unseres Handelns stellen."

Vor voreiligen Abschlüssen warnen

Ebenfalls an den Berufsethos seiner Kollegen appellierte Alexander Koch als Geschäftsführer der UFKB GmbH, in der sich mehrere Makler zusammengeschlossen haben. Er befürchte jedoch, dass durch die aus seiner Sicht vor allem durch die Medien angeheizte Unisex-Schlussverkaufsstimmung übermotivierte Kunden voreilige Entscheidungen treffen könnten. "Solchen Kunden dann zum Abschluss zu raten, ist – ungeachtet dessen, ob sie es sich leisten können oder nicht - schlichtweg unseriös. Auch aus betriebswirtschaftlichen Gründen." Solche Verträge würden in der Regel schnell wieder gekündigt. Durch die verlängerte Stornohaftungszeit bekomme dies´nicht nur der Makler deutlich zu spüren, sondern letztendlich auch die Krankenversicherer. "Ein insolventer Makler kann nichts mehr zurückzahlen", so Koch. Wie wichtig die Beratung durch gut qualifizierte und seriöse Vermittler ist, machte auch Axel Kleinlein, Vorstandsvorsitzender des Bundes der Versicherten, deutlich: "Wir brauchen einen vernünftigen Vertrieb, der den Versicherungsunternehmen auf die Füße tritt, damit wir qualitativ hochwertige Produkte bekommen." Außerdem kritisierte er die Branche, nicht genug dafür getan zu haben, das Unisex-Urteil durch den Europäischen Gerichtshof abzuwenden.

Video: Beitrag zur 2. Podiumsdiskussion von Alexander Koch

Branche auf kaltem Fuß erwischt

Eine Kritik, die Gesundheitsökonom Prof. Dr. Jürgen Wasem zurückwies: "Die Branche wurde hier auf kaltem Fuß erwischt. Denn es war für die Experten neu, ein gut begründetes Kalkulationsmodell prophylaktisch verteidigen zu müssen. Dennoch sollten die Versicherer künftig Prävention ernst nehmen, damit nicht alle Kalkulationsmodelle kaputt gemacht werden." Diese Sorge teilte auch Verfassungsrechtler Prof. Dr. Dr. Josef Isensee: "Bei dem Unisex-Urteil war der Zeitgeist Advokat. Es lässt sich deshalb nicht ausschließen, dass künftig die Altersdiskriminierung auch noch Thema wird."

Es kommen also, unabhängig von Unisex, jede Menge Herausforderungen auf die Branche und die Vermittler zu. Auch vor diesem Hintergrund sei es wichtig, nicht nur im kommenden Bundestags- Wahljahr viel für die Imagebildung der PKV zu tun, forderte Dr. Helmich auf dem Podium. "Klar ist, dass Ihre Verantwortung jetzt besonders groß ist", so sein Appell an die Vermittler mit Blick auf die kommenden Monate bis zum Unisex-Stichtag. "Denn Unisex ist kein Grund, in die PKV zu wechseln oder eine Zusatzversicherung abzuschließen - aber ein Anlass, eine Entscheidung zu treffen."

Video: Abschlussstatements der 2. Podiumsdiskussion

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