Neue Vermittlerrichtlinie IDD: "Es hätte schlimmer kommen können"

2017 wird die neue Vermittlerrichtlinie IDD auf der Basis einer europäischen Vorgabe wirksam. Wann genau sie eingeführt wird, konnte auch Prof. Dr. Oliver Brand den Teilnehmern des 16. Continentale PKV-Forums nicht sagen. Dafür skizzierte er in 20 Minuten die wichtigsten Veränderungen für den Vertrieb. Von einem war der Jurist dabei überzeugt: „Es hätte schlimmer kommen können.“

Mit Humor gewürzter Überblick

Angekündigte Grausamkeiten für den Vertrieb, schlampige Arbeit bisher: Der Direktor des Instituts für Versicherungswissenschaft sparte zur Freude der Zuhörer nicht mit Seitenhieben und trockenem Humor. Er beleuchtete die IDD unter drei Gesichtspunkten: Fortbildung, Informations- und Beratungspflichten. Die beste Botschaft: „Angekündigt war ein Provisionsverbot zugunsten der Honorarberatung. Das hat zu einem Aufschrei geführt. Diese Grausamkeit wird nicht umgesetzt.“ Für das Mitglied des Expertenbeirats der Continentale war klar, dass der Gesetzgeber die Honorarberatung als Hemmnis sieht. „Deshalb hat er die Beratungspflichten bei der jüngsten VVG-Reform festgeschrieben. Selbst eine rot-rot-grüne Bundesregierung wird nicht dran rütteln“, so Prof. Brand.

Die kommende Bundestagswahl sei für die IDD trotzdem relevant. Geplant sei zwar ein Inkrafttreten im Frühjahr, das hält der Jurist aber für unwahrscheinlich. Er hofft auf eine Umsetzung im Sommer 2017, „was die Einflussnahme einer neuen Regierung ausschließen würde“. Fest stehe aber, dass aus der bisherigen 8-seitigen Richtlinie ein Werk von 41 Seiten werde. „Und es werden noch weitere Klarstellungen folgen“, erläuterte der Jurist.

Nur 15 Stunden Fortbildung jährlich

In trockenen Tüchern sei aber die Pflicht zur Fortbildung: Nötig sind nun 15 Stunden im Jahr. Im Gespräch waren 200 Stunden. Allerdings müsse der Staat die Weiterbildung überprüfen. „Das wird er wohl an die Industrie- und Handelskammern übergeben. Wie sie das gestalten, bleibt abzuwarten. Mit echten Wissensprüfungen rechne ich aber nicht“, so der Experte.

Entwarnung gab er auch in Sachen Informationspflichten: „Durch die VVG-Reform ist das Notwendige schon Gesetz.“ Während die Provisionsoffenlegung zumindest aktuell vom Tisch sei, werde der Gesetzgeber aber beim Online-Vertrieb noch nachbessern: „Hier ist der Vermittler schlicht vergessen worden.“

„Eine Richtlinie kann mehrfach verschärft werden. Bei einem Regierungswechsel könnte die Provisionsoffenlegung wieder zur Debatte stehen.“
Prof. Dr. Oliver Brand

Angesichts der ursprünglichen Planungen zog Prof. Brand ein positives Fazit. Allerdings: „Die recht geringen Auswirkungen auf die Vermittler gelten für den Moment. Eine Richtlinie kann mehrfach verschärft werden. Bei einem Regierungswechsel könnte die Provisionsoffenlegung wieder zur Debatte stehen.“